Gelbes Elend, heimliche Lieder – Die vergessene Musik der Speziallager
Shownotes
Das sowjetische Speziallager Nr. 4 in Bautzen – ein Ort der totalen Isolation, des Hungers und des Sterbens. Offiziell war jede kulturelle Betätigung verboten. Doch Häftlinge wie der Konzertmeister Hans Schmidt komponierten heimlich Lieder – ohne Papier, ohne Bleistift, nur im Kopf. Seine Werke, erst Jahre später aufgeschrieben, zeugen von Trauer, Sehnsucht und dem unbändigen Willen zu überleben.
In dieser Episode von "Verbotenen Zone" sprechen wir mit der Geigerin und Musikwissenschaftlerin Dr. Anna Barbara Kastelewicz, die erstmals dieses kaum erforschte Kapitel der Nachkriegsgeschichte aufgearbeitet hat. Hören Sie originale Aufnahmen von Schmidts Kompositionen – und erfahren Sie, warum Musik im Lager
mehr war als Trost: Sie war Überlebensmittel.
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00:00:05:
00:00:30: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von.
00:00:33: Verbotene Zone der Podcast der Gedenkstätte Bautzen.
00:00:37: Schön, dass Sie bei uns sind!
00:00:39: Im Mittelpunkt heute steht das sowjetische Speziallager Nummer vier – Das Gelbe Elend in Bautsen.
00:00:46: Zwischen nineteenhundertfünfundvierzig und neunzehnhundertwünftig dient er es der stalinistischen Besatzungsmacht als Internierungs- und Straflager dessen Hauptzweck die totale Isolation der Gefangenen war.
00:00:59: Rund sieben und zwanzigtausend Menschen durchliefen diesen Ort, mindestens dreitausend von ihnen überlebten die katastrophalen Haftbedingungen nicht.
00:01:09: Hunger, Kälte, Krankheiten, Monotonie und striktes Verbot jeglicher geistigen oder kulturellen Betätigung prägten den Alter.
00:01:19: Doch trotz aller Verbote geschah das scheinbar Unmögliche – heftelige Sangen spielten Theater, trugen aus dem Gedächtnis Gedichte vor.
00:01:29: Und Hans Schmidt komponierte im Lager sogar zwanzig Liter ohne Stift und Papier.
00:01:36: Diese bislang kaum beachtete Seite der Lagerwirklichkeit beleuchten wir heute – die Bedeutung von Musik und Kultur für das Überleben!
00:01:46: Denn die Geschichte des Spezialagers Bauzn ist nicht nur eine von Repressionen Sie erzielt auch von der Selbstbehauptung und menschlicher Widerstandskraft.
00:01:57: Dieses besondere Thema hat meine heutige Gesprächspartnerin erstmals wissenschaftlich erforscht.
00:02:04: Ihre fünfundfünfzigseitenstarke Doktorarbeit trägt den Titel Musik wo schweigen ist, Kultur- und kulturelle Betätigung in den sowjetischen Spezialagern – in der SPZ & DDR!
00:02:22: Ein bislang unerforschtes Kapitel der Nachkriegsgeschichte.
00:02:36: Der botene Zone, das Gespräch!
00:02:40: Herzlich willkommen Frau Dr.
00:02:41: Anna Barbera-Kastelewicz.
00:02:44: Sie sind freischaffende Violinistin, Leiterin einer Musikagentur in Berlin und Autorin dieser wichtigen Studie.
00:02:53: Schön dass Sie zu Gast bei uns im Studio sind.
00:02:55: Guten Tag Dankeschön.
00:02:57: Sie haben mit Ihrer Studie neu lang betreten und sich einer Forschungslücke angenommen.
00:03:02: Wie kam es dazu?
00:03:03: Und wie sind sie auf dieses Thema eigentlich gestoßen?
00:03:07: Tatsächlich kam alles über die Musik, wie Sie sagten.
00:03:10: ich bin Geigerin, freischaffende GeigerInnen und beschäftige mich mit vielzahl von Stilen- und musikalischen Richtungen und bin auch immer neugierig was es Neues gibt.
00:03:21: Mit meinem Streichquartett habe Komposition A arbeitet von einem völlig unbekannten Komponisten.
00:03:29: Kurt Hauschild, den ich hier auch kurz erwähnen möchte.
00:03:32: Er hat in der DDR gelebt und zur DDR-Zeiten nie veröffentlicht.
00:03:38: Erst nach der Wende kam seine Werke an die Öffentlichkeit.
00:03:42: Und weil es eben zu ihm nichts gab, habe ich mich ran gemacht und hab erst mal ein Werkverzeichnis erarbeitet eine Edition von einem Streichquartett und habe auch einen Kommunistenporträt geschrieben.
00:03:55: Und bei den Recherchen dazu bin ich darauf gestoßen, dass sein Vater in Sachsenhausen ums Leben gekommen ist.
00:04:05: Da hab' ich mich natürlich gewundert.
00:04:07: Das ist aber komisch!
00:04:09: Man kennt ja nur das KZ.
00:04:11: So bin ich erstmals wirklich auf das Thema der Speziallager gestoßend und hab mich ein bisschen darin vertieft.
00:04:21: Da ich auch Musik aus den Konzentrationslagern gespielt habe und mich kundig gemacht und Werke aufgeführt habe, wollte ich jetzt wissen was in den Speziallagern gab.
00:04:32: Was war denn da vielleicht los?
00:04:34: Was haben die Häftlinge dort musiziert?
00:04:38: Und da habe ich festgestellt, dass es überhaupt gar keine Aufarbeitung, keine Forschung oder Literatur nichts dazu gab.
00:04:45: Das war sozusagen mein Startpunkt, das ich mich tiefer in das Thema eingearbeitet habe und hätte am Anfang auch nicht gedacht, dass dann so eine Doktorarbeit wird.
00:04:55: Aber diesen langen Prozess über zehn Jahre Forschung ist jetzt dieses Werk daraus entstanden.
00:05:02: Spannend in den Speziallagern waren kulturelle Aktivitäten offiziell verboten.
00:05:09: Wie konnte unter diesen Bedingungen überhaupt Musik entstehen?
00:05:13: Nur heimlich oder wurde manches dann doch geduldet.
00:05:18: Die größte Belastung neben den unsäglichen inhumanen Lebensbedingungen war für die Häftlinge, das sagten ziemlich alle Berichte, war die Betätigungslosigkeit.
00:05:31: Diese totale Isolation bedeutete auch eine völlige Untätigkeit und hatte eine geistige Verödung zur Folge, die als besonders belastend für die Heftlinge wirkte.
00:05:42: Und so konnte man gleich vermuten entstand natürlich aus dieser Not heraus.
00:05:50: gleich entstanden Aktivitäten im Geheimen.
00:05:54: Sie haben sich ... Wegen dieser Not, aus dieser Notsituation heraus haben sie sich eben beschäftigt und haben sich gegenseitig Vorträge gehalten.
00:06:03: Und haben eben auch gesungen.
00:06:05: in den Spezialangern war ja ein Querschnitt der Gesellschaft vertreten.
00:06:10: man hatte sämtliche Berufsgruppen dabei Man hat Handwerker Arbeiter Profisoren Ärzte und man hatte eben auch Künstler und Musiker.
00:06:20: und so haben die Menschen die Häftlinge sich im Geheimen immer in der Gefahr Roherstrafen sich eben doch damit beschäftigt und haben eben gesungen in den Möglichkeiten.
00:06:33: Zu manchen Zeiten, und im manchen Rahmen wurden diese Aktivitäten von der sowjetischen Lagerleitung geduldet – teilweise sogar auch gefördert.
00:06:45: Paradoxerweise gab es in vielen Lagern eine sogenannte Kultura Denn die Lagerleiter standen insofern auch unter Druck, dass sie ihre eigenen sowjetischen Wachmannschaften geistig fordern und fördern oder unterhalten mussten.
00:07:04: Denn die sowjetische Wachmannschaften waren, lebten ja isoliert.
00:07:07: Sie durften sich nicht mit der deutschen Zivilbevölkerung abgeben oder in Kontakt treten.
00:07:13: Und so haben dann manche Lagerliter in manchen Spezialagern zu manchen Zeiten sich dazu entschlossen eben eine ... sogenannte Kultura zu gründen.
00:07:25: In deren Rahmen, man muss sagen auf höchstem Niveau Konzerte aufgeführt wurden Theater gespielt wurde Akrobatik gezeigt wurde Ballett gespielt worden Köre sangen aber man muss eben sagen das auch wirklich nur ein kleiner Teil der Häftlinge überhaupt die Möglichkeit hatte diesen Veranstaltungen beizuwohnen.
00:07:48: Aber in Bautzen selbst gab es diese Kulturer nicht.
00:07:52: Richtig, in Bauden selbst gab's die Kulturen nicht.
00:07:56: Es ist eines der wenigen Spezialaggern, wo es gar keine Kultura gab.
00:08:01: Aber Bautsen spielt eine Sonderrolle im Zusammenhang mit den Spezialägern.
00:08:08: Zum Zeitpunkt der Einrichtung ... ... war die Struktur.
00:08:18: des Spezialagers, also in welcher Form das Lagerstraflager existieren sollte.
00:08:23: Nicht klar!
00:08:24: Den Lagerleitern auch nicht klar ist.
00:08:26: Kursierten verschiedene Bezeichnungen des Lagers.
00:08:29: Das konnte ich aus den Verhaftungsakten entnehmen, dass immer unter einem anderen Begriff das Laggerbautzen geführt wurde.
00:08:36: Was bedeutete, dass auch nicht klar war, unter welchen Regeln dieses Lager gestellt wurde?
00:08:43: Die Spezialager an sich... hatten ja die provisorische Lagerordnung als Grundlage, in der ganz klar geschrieben wurde, die totale Isolation.
00:08:54: Und in Bautzen war das eben nicht klar.
00:08:57: und in dieser Anfangszeit, in dieser Ungewissheit der Struktur unter den Regeln hatte Bautsen die Sonderrolle dass es hier eine, man kann fast sagen, eine fast liberale Zeit gab.
00:09:12: In der Zeit gab es sogar Besuchsmöglichkeiten, die auch mächtig genutzt wurden und der Besucherstrom immer weiter anstieg.
00:09:22: Es gab die Möglichkeit dass sich die Heftlinge selbst beschäftigen konnten.
00:09:27: es gab zwar keine große Theaterbühne dann hätte man auch auf Unterstützung der Lagerleitung hoffen müssen oder sich verlassen müssen.
00:09:36: das ging natürlich nicht.
00:09:38: aber es gab die möglichkeit einen Puppen Theater Bühne aufzubauen.
00:09:42: Und das haben tatsächlich die Häftlinge in der Anfangszeit genutzt, haben Puppen gebaut.
00:09:50: Da gibt es wunderbare Beschreibungen von Zeitzeugen, die eben beschreiben welche Puppem, welche Stücke gespielt wurden wie das aufgebaut wurde, welche Musik dazu präsentiert wurde.
00:10:02: Aber Sie haben schon gesagt, dass war die Anfangs-Zeit?
00:10:04: Wie ging's dann weiter?
00:10:06: Sobald klar war, dass es sich um einen Spezialager handelt des NKWD Endet die diese liberale Phase abrupt?
00:10:15: Alles wurde gekappt, keine Besuchsmöglichkeiten mehr.
00:10:18: Totale Isolation und totales Verbot!
00:10:21: Und ab dann war es wirklich eine auch kulturelle Wüste... ...und ab dem Zeitpunkt haben die Menschen extrem auch eben unter dieser geistigen Verödung gelitten.
00:10:32: Sie haben herausgefunden dass es im Bautzener Spezialager trotzdem eigene Kompositionen gab dort eigene Kompositionen entstanden sind.
00:10:44: Der Häftling Hans Schmidt hat ohne Zugang zu Notenpapier, ohne die Möglichkeit seine arbeitsschriftlich festzuhalten heimlich komponiert.
00:10:54: Es sind seltene akustische Zeugnisse aus einer extremen Lebenssituation.
00:10:59: Heute Vormittag haben sie gemeinsam mit dem Pianisten Jakob Schmidt einige der Musikstücke von Hans Schmidt in der Gedenkstätte Bautzen gespielt.
00:11:09: Wir wollen ein Stück reinhören, das heißt an die Hoffnung.
00:13:31: Dieser Mitschnitt ist bei den Proben vor der Martinee in der Gedenkstätte Bautzen aufgezeichnet worden.
00:13:37: Dazu gibt es auch einen Text von einem Mithäftling, der zu dieser Komposition getextet hat, der heisst Mulling.
00:13:56: bricht neues Leben hervor.
00:13:58: Kraft aus der Hoffnung lebt, gläubig und ewiglich.
00:14:02: Hoffnung ist Gottes Macht.
00:14:05: Licht in sterbenden Stunden flammt von Hoffnung entfacht.
00:14:10: Not-und Qual sind dann entschwunden, fliehen muss tötende
00:14:14: Nacht.".
00:14:16: Dankeschön!
00:14:17: Was hat sich Hansch mit Ihrer Meinung nach von der Seele komponiert?
00:14:23: In dem Fall von Hans Schmidt haben wir sogar den glücklichen Umstand, dass er sich selbst dazu geäußert hat.
00:14:30: Er hatte die Komposition nach der Spezialagerzeit.
00:14:35: Er wurde leider neunzehntfünfzig bei der Auflösung des Spezialagers Bautzen nicht entlassen.
00:14:41: Er würde den DDR-Behörden übergeben und verblieb im Lager Bautsen dann unter DDR-Behördenführungen in ähnlichen Inhumanen ... Lebensbedingungen, aber er hatte dann Papier- und Bleistift.
00:14:55: Und während dieser Zeit, also nach neunzehntundfünfzig konnte er dann diese Noten zu Papier bringen.
00:15:03: Hans Schmidt hatte Glück!
00:15:05: Er hat überlebt.
00:15:07: Er wurde entlassen und er hat dann in den Bautzenkomiteen die Sammlung an seinen Noten übergeben.
00:15:17: Dieser Schatz wurde dann in der Gedenkstätte Bautzen überführt und dort liegt es jetzt in dem Archiv, wo man die Noten jetzt auch einsehen kann diese ganzen Schätze.
00:15:28: Und im Zusammenhang der Übergabe hat er eben auch einen kleinen Brief hinterlassen indem er selbst noch mal schreibt.
00:15:38: wenn sie also die Musik hören so hat er geschrieben dann wissen Sie erst was die noten bedeuten und welche seelischen Qualien die Häftlinge erdulden mussten.
00:15:50: Also man kann ja nur spekulieren, war es vielleicht auch ein Teil der Überlebensstrategie zum Beispiel des Komponisten sich vom schlimmen Haftalltag abzulenken und womöglich sich wegzudenken in ferne Klangwelten.
00:16:04: Das ist sehr zu vermuten.
00:16:07: die vielen Berichte, die ich studiert habe durchgearbeitet habe sagen doch so häufig, dass die geistige Betätigung und die Beschäftigung mit der Musik oft im Rahmen der Kultur aber eben auch im Geheimen in Eigen in der Zitriebe.
00:16:24: Dass das ein unglaublicher Stütze war in diesen furchtbaren Zeiten und eben doch Hoffnungen gestiftet hat – und auch einfach Ablenkung!
00:16:35: Und diese Lieder, die Hans Schmidt komponiert hat zeigen, teilweise zeigen sie eben wirklich die Trauer und die Hoffnungslosigkeit.
00:16:46: Dass die Sehnsucht ... Es sind viele Lieder, die auch von Liebe erzählen.
00:16:52: Er vermisst dann eben Frau- und Familie wie eben alle Häftlinge im Lager.
00:16:57: Und einige Lieder und Kompositionen sind ja einfach unterhaltender Natur um sich abzulenken.
00:17:05: Die Lieder sind im Stile der damalig populären Salonmusik geschrieben.
00:17:12: Also in den zehn, zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren war es üblich, Salon-Musik zu spielen.
00:17:19: Hans Schmidt war selber Geiga – er war Konzertmeister im Orchester Wismar — und da wird er mit Sicherheit eben auch diese Salon Musik gespielt haben die zu der Zeit üblig war.
00:17:30: Da gab es eben Tangos, da gab es Polkas, da gabs langsame Walzer ... Und diesen Stil hat er dann Im Kopf alles komponiert, während seiner Haft im Spezialager Bautzen.
00:17:44: Nun bin ich kein Komponist und frage mich die ganze Zeit wie geht das?
00:17:49: Wie kann man ohne Papier- und Bleistift solche Werte komponnieren?
00:17:55: Ich bin kein Komponist.
00:17:58: Ich bewundere das, ich weiß, dass es Musiker gibt und Künstler können.
00:18:06: Es waren viele hochqualifizierte Musiker in den Spezialagern vertreten.
00:18:13: So eben auch Hans Schmidt.
00:18:15: Was wissen wir sonst noch über den Komponenten?
00:18:21: Hans Schmidt wurde ... Er war wie gesagt Berufsmusiker, Konzertmeister.
00:18:54: zu fünfundzwanzig Jahren Arbeitslager verurteilt.
00:18:58: Es handelte sich in seinem Falle wie in so vielen Fällen, wie in den meisten Fällen um Denunziationen.
00:19:05: Als Haftgrund wird ein Artikel angebliche Spionage für den amerikanischen Geheimdienst und Übergabe von Informationen angegeben.
00:19:15: Er war inhaftiert in Bautzen von nineteenhundertsiehnundvierzig bis neunzehnhundertsechsundfünfzig.
00:19:22: Wir hören jetzt ein zweites Stück von Hans Schmidt, das heißt die Rosen verblühen.
00:19:27: Es zeigt uns eine ganz andere Seite von Hansch mit und auch hier gibt es wieder einen Text zur Komposition.
00:19:35: Die Rosen verbleuen!
00:19:38: Abends in dem Rosengarten denke ich nur an dich doch du lässt mich einfach warten jahrelang ewiglich niemals wirst Du wieder bei mir sein Lässt mich mit der Sehnsucht ganz allein.
00:19:55: Abends in dem Rosengarten denke ich nur an dich!
00:20:01: Die Rosen verblühen, es leuchtet kein Stern.
00:20:06: Die Nächte sind leer, denn du bist so fern und Träume vergehen – Der Wind bringt sie dir.
00:20:14: Doch du kennst keinen Treu, darum gingst Du von mir.
00:20:19: Ich kann nie mehr vergessen.
00:20:21: all das Glück Kommst du auch nicht zu mir zurück?
00:20:25: Die Rosen verblühen, es leuchtet kein Stern.
00:20:29: Die Nächte sind leer, denn Du bist so fern!
00:23:34: Im Rahmen meiner Forschung bin ich wirklich durch sämtliche Archive, die relevant waren.
00:23:40: Also säm'tliche Archieve, die zu den Spezialagern gehören so auch eben in das Archiv der Gedenkstätte Bautzen und hier muss man sagen ist es wirklich dank der Mitarbeiter möglich gewesen an dieses Material zu kommen.
00:23:59: Wenn man in ein Archiv geht, weiß man ja erst mal gar nicht was einen da erwartet und was man dort finden kann.
00:24:05: Und dann muss man vertrauen auf die Mitarbeiter.
00:24:08: So hatte ich großes Glück, dass sie mir eben dieses Material zeigen konnten.
00:24:13: Diese Noten, die Originalnoten, hat Hans Schmidt, dem Bautzen-Komitee übergeben, wurden wie gesagt dann in das Archiv Bautsen übergeben.
00:24:24: Dort liegt das Material und kann reingesehen werden!
00:24:29: Sind andere Kompositionen eigentlich, das frage ich mich von Gefangenen womöglich gar aus anderen Speziallagern überliefert?
00:24:38: In ganz seltenen Fällen.
00:24:41: Es gibt einen großen Notenschatz und es ist ein Wunder dass diese Noten und diese Quellen überlebt haben.
00:24:51: Das spielt eine absolute Sonderrolle.
00:24:54: Da gab es Hochkultur, das war die Hochburg der Kultur der Spezialager.
00:25:02: Allein ab von dem dortigen Lagerleiter, der von den Häftlingen als Kultur besessen bezeichnet wurde.
00:25:10: Den lagerleitern interessierte nicht das massenhafte Sterben.
00:25:14: Er schwebte so Zitat in höheren Sphären.
00:25:18: er wollte ein reiches kulturleben erschaffen und ließ gleich im herbst um neunzehntetviertzig einen lagerteater bauen und sollte eröffnet werden zur großen oktoberrevolution.
00:25:30: Dort Gab es wie gesagt eine riesige Kultur mit sechs verschiedenen Sektionen.
00:25:36: Großes Orchester, Salon-Orchester, Dramaturgie, Volksturm und Coa.
00:25:44: Und für Mühlberg ist wirklich ein einzigartiger Schatz überliefert.
00:25:49: das Lager wurde nineteen hundert achtund vierzig aufgelöst und sämtliches Material Einrichtungen alles wurde vernichtet zerstört weggeschleppt.
00:26:00: Benachbarter Bauer, der in der Gegend von diesem Lager lebte, Strom hatte sozusagen nach Auflösung des Lagers durch die verbliebenen Barakken und Gebäude.
00:26:11: Und durch Zufall entdeckte er in der Ecke einer Baracke einen Notenstapel liegen, der offensichtlich einfach vergessen wurde.
00:26:22: Geistesgegenwärtig hat er dieses Material diesen Noten mitgenommen Nach Hause hat sie in einen Koffer gelegt und auf seinen Dachboden verstaut, und hat diese Noten vierzig Jahre lang aufbewahrt.
00:26:41: Da
00:26:41: hat er nach Geründung der Initiativgemeinschaft Mühlberg diesen Notenschatz dem Archiv übergeben.
00:26:47: Und durch diese Noten, die so Originalnoten können wirklich gut Rückschlüsse geführt werden welches Material dort gespielt wurde in welchen Besetzungen.
00:26:57: es sind auch Programmblätter überliefert sodass man nachvollziehen kann wie die Kultur dort ausgesehen hat.
00:27:05: zurück zu Hans Schmidt welche Bedeutung haben Ihrer Meinung nach die Komposition für die historische Forschung.
00:27:12: Ich sage mal, Sie waren vor wenigen Wochen in Amerika und haben in der Sache Vorträge gehalten?
00:27:19: Erzählen Sie uns davon!
00:27:21: Ja ich hatte freulicherweise eine Einladung von der University of Texas in Austin Teaching and Research Fellowship erhalten.
00:27:32: Und in dem Rahmen konnte ich meine Forschungsarbeit vorstellen und dazu auch weiter forschen, ich konnte dort Vorträge halten und natürlich immer im Zusammenhang mit Musik.
00:27:44: Ich habe dort eine Kollegin gehabt die Cello gespielt hat und so konnte ich mit ihr während der Vortrege immer auch Musikbeispiele präsentieren.
00:27:55: Es ist ganz klar ... In den USA kannte niemand die Speziallager.
00:28:01: Das ist nicht verwunderlich, es ist so weit weg!
00:28:04: Es ist so lange her und das ist ein Thema was einfach wirklich nicht präsent ist.
00:28:09: Und man erlebt es ja auch in Deutschland.
00:28:11: Selbst in Deutschland ist dieses Thema kaum bekannt.
00:28:16: Aber in den USA war ich so erstaunt wie offen und interessiert die Menschen waren.
00:28:23: Also ich wurde mehrfach zu weiteren Talks und Vorträgen eingeladen, also nicht nur im universitären Rahmen sondern dann tatsächlich auch im privaten Rahmen.
00:28:32: Dann wurde noch eine Gartenparty organisiert wo eben auch die Musik gespielt werden sollte und ich eine Einführung in das Thema geben konnte.
00:28:40: Also dass war so schön zu sehen wie interessiert die Menschen dort sind und das Thema wirklich beachten.
00:28:48: Kommen wir zurück nach Bautzen.
00:28:50: Sie
00:28:50: haben in
00:28:52: der Matinee davon erzählt dass es wohl eine bisher mir überhaupt nicht bekannte Situation gegeben hat, das Musiker aus dem Lager in der Stadt Bautzen musizieren konnten.
00:29:07: Eine Herausforderung für diese Arbeit war, dass es zu kultureller Betätigung Musik keinerlei offizielles Materialoffizielle Dokumente gibt.
00:29:20: Die Hauptgrundlage des Fundamenten dieser Arbeit sind tatsächlich Zeitzeugenaussagen viele, viele Berichte die ich aus allen Archiven zusammengetragen habe ausgewertet habe und viele, viel Interviews die ich noch mit Überlebenden führen konnten.
00:29:36: Und in einem Bericht bin ich darauf gestoßen dass eine Musikkapelle für das Lager Bautzen erwähnt wird.
00:29:44: Da wurde berichtet dieser Musikkapelle mit inhaftierte Waren, die allerdings streng abgesondert untergebracht waren da sie öfters in der Stadt spielen mussten und einem Schweigegebot unterlagen.
00:30:00: Einen weiteren Nachweis zur Existenz und Relevanz dieser Kapelle sowie möglichen Aufführungen außerhalb des Lagers konnten nicht weiter ausfindig gemacht werden.
00:30:11: also ich habe wirklich nur diesen Beleg von diesen Zeitzeugen in diesem Bericht.
00:30:17: Vielleicht gibt es eine Hörerin oder einen Hörer des Podcasts, der im Bautzen davon gehört hat.
00:30:23: Informationen jederzeit und gern an die Gedenkstätte im Baudsen direkt!
00:30:28: Wir präsentieren Ihnen jetzt ein weiteres Beispiel des musikalischen Schaffens von Hans Schmidt – im Baurns noch Speziallager.
00:30:35: das dritte Musikstück trägt den Titel Freiheit.
00:30:38: Wenn Sie zuhören stellen sie sich einfach vor dass Hans Schmidt die Noten ausschließlich Kopf arrangiert hat.
00:33:15: Und nachwichtig, sich auch heute noch mit den musikalischen Spuren des Spezialagers
00:33:43: auseinanderzusetzen.".
00:34:07: nicht erwehren.
00:34:08: Und ich sehe das genauso, wenn Musik läuft wir werden beeinflusst und es nimmt uns mit.
00:34:17: Ich denke die Kompositionen, die wir jetzt finden konnten und zur Aufführung bringen konnten, sprechen für sich und wirken.
00:34:29: Was können denn diese Liederkomposition und Erinnerungen heute den Besucherinnen und Besuchern der Gedenkstätte Bautzen vermitteln?
00:34:37: Es kann noch mal eindrücklicher wirklich die Lebensumstände schildern.
00:34:43: Es kann nochmal zeigen, welches Leid dort herrschte.
00:34:48: Es kan zeigen welche Hoffnung Musik gegeben hat, welche Hoffnungswillen die Menschen in dem Lager auch hatten.
00:34:58: es kann auch zeigen hoffnungslosigkeit Träumen Erinnerungen und Paradoxa zeigen, dass man auch in diesen schrecklichen Lebensumständen sich doch an dem Schönen orientiert.
00:35:16: Dass man eben an dem schönen Kraft sammeln kann.
00:35:21: und ja vielleicht sollten wir das jetzt auch heute mitnehmen, dass wir uns an dem schönen orientieren und da weiter ansetzen und da weitermachen.
00:35:32: Sie haben geforscht und doch Frage, sie gibt es eine Geschichte ein Lied oder einen Schicksal aus Ihrer Forschung?
00:35:39: Dass sie persönlich bis heute besonders berührt und dass sie unseren Hörerinnen und Hören zum Schluss mitgeben möchten.
00:35:48: Ich habe so viele Berichte gelesen und so viel Material durchgearbeitet und die Arbeit mit diesem Thema hat ... sehr berührt.
00:36:04: Das muss ich sagen und ich kann auch sagen, dass es tatsächlich auch mein Leben und meine Lebenseinstellung tatsächlich geändert hat.
00:36:11: Also mir ist immer wieder kommt mir das jetzt auch im alltäglichen Leben vor, dass ich dann an die Menschen in der unsägliche Haft denke Und es gibt so viele Geschichten und individuelle Geschichten zu erzählen.
00:36:28: Vielleicht schließen wir mit einem wunderschönen Lied, das auch Hans Schmidt komponiert hat und dieses Lied trägt.
00:36:37: Und ich würde es jetzt immer in ein neues Konzertrepper-Schwa einfließen lassen und spielen – Das ist das Viegenlied von Hans Schmidt!
00:38:33: Für Kompositionen für Fenster in eine Welt die Stille und Schweigen verordnet hatte?
00:38:40: Was Hans Schmidt hier am Kopf festhielt, ist mehr als Musik.
00:38:43: Es ist ein Akt der Selbstbehauptung – Ein Beweis das selbst unter unwänschlichen Bedingungen der Wunsch nach Schönheit Nach Ordnung und Nach Hoffnung nicht verstummt.
00:38:55: Die Gedenkstätte Bausen bewahr diese Zeugnisse Nicht nur als Dokumente des Leids Sondern auch als Zeichen menschlicher Widerstandskraft.
00:39:04: Musik war im Speziallager kein Luxus.
00:39:07: Sie war über Lebensmittel.
00:39:11: Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihre Forschung und für Ihre berühmten Einblicke.
00:39:18: Vielen Dank, dass Sie bei unserem Studio
00:39:19: waren!
00:39:20: Ich danke ganz herzlich, dass ich kommen durfte und das Thema vorstellen durfte.
00:39:25: Und wir danken Ihnen liebe Hörerinnen und Hörern fürs Zuhören.
00:39:29: Besuchen sie die Gedenkstätte Bautzen, hören sie hin auch dort wo es lange still war und bleiben sie aufmerksam.
00:39:55: Verbote Nationen, der Podcast der Gedenkstätte Bautzen.
00:39:59: Musik Richard Zitoff, Grafik Peter Lehmann, Redaktion Uwe Tschörner Eine Produktion der Lauset-Zauwort-Manufaktur herausgegeben von der Gedingstätte Bauzen unter dem Dach der Stiftung Sächsische Gedenksstätten.
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